digitaler konsum von social media
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Ablenkung durch digitalen Konsum vs. echte Nahrung für Körper und Seele

Es gibt Tage, an denen ich unendlich viel konsumiere. Instagram, YouTube – viel Ablenkung und Betäubung, um das Jetzt für einen Augenblick – oder einen ganzen Tag – beiseitezuschieben und nichts weiter zu tun. Das funktioniert ganz gut – zu gut, um ehrlich zu sein! Denn während ich mich so berieseln lasse, virtuell, von der Außenwelt, die mit mir persönlich so gar nichts zu tun hat, habe ich keine Zeit zum Grübeln. Oder auch keine Kapazitäten. Denn die vielen bunten Bilder aus der virtuellen Welt sorgen einen Moment lang – oder eben auch mal einen ganzen Tag – dafür, dass ich mich selbst vergesse. Alles, was ich an diesen Tagen nicht tue, und wofür ich mich normalerweise sonst schlecht fühlen würde, rückt in den Hintergrund meines Bewusstseins. Ich tauche ein in eine andere Welt und fühle mich, als würde ich viele Leben zur selben Zeit leben – andere Leben, die in keinerlei Zusammenhang mit dem stehen, was ich mein Eigen nenne. Dann kann ich US-amerikanischer Barkeeper sein, genderqueere Schauspielerin und Regisseurin, Popsternchen am Musikhimmel, ein Fan in der Menge, der sein Handy auf die Bühne wirft, ein verliebtes Pärchen, das sich nach anderthalb Jahren Vanlife den Traum vom eigenen Haus in Schweden erfüllt hat (Wie machen die das alle?). Die Besitzerin tausender verschiedener niedlicher und lustiger Hunde und Katzen – und all das strömt den ganzen Tag auf mich ein und benebelt meine Sinne. Macht mich unempfänglich für das, was wirklich zählt.

Und während ich weiter und weiter scrolle und immer tiefer in dieser virtuellen Traumwelt versinke, klopft langsam aber sicher eine Frage an die Hintertür meines Unterbewusstseins:

„Was mache ich hier eigentlich?“

Ich weiß ja inzwischen sehr genau, was mir guttäte. Statt des vielen Konsums, der meinen Hunger nicht stillt, da er sich mit dem Unerreichbaren befasst – echte Nahrung. Nicht nur mein Körper, auch – und insbesondere! – meine Seele braucht etwas ganz anderes, als ich ihnen in solchen Momenten gebe: Gespräche, Meditation, Tee, Texte, Yoga, lehrreiche Bücher, Natur… Manchmal habe ich nicht die Kraft dazu, meinen inneren Schweinehund zu besiegen. Und dann kommt es vor, dass ich mich ihm hingebe wie eine leidige Geliebte, die um jeden Preis gefallen will und deshalb Dinge tut, die sie unter anderen Umständen nicht zulassen würde.

Und je präsenter mir diese Gedanken langsam, ganz langsam, wieder werden, desto größer, lauter und machtvoller wird auch mein innerer Kritiker.

Er setzt gerade zu einer Schimpftirade an, doch ich bremse ihn aus, während er noch dabei ist, tiefrot anzulaufen und sich unnötig aufzublähen:

Es ist okay.

Es ist okay, mal schlechte Tage zu haben.
Es ist okay, sich mal abzulenken.
Es ist okay, Tage mit Nichtstun und sinnloser Ablenkung zu verbringen.
Es ist nicht schlimm, dass ich heute nichts geschafft habe.
Morgen kann ich es nochmal versuchen.

Ich bin gut, so wie ich bin.

Mein innerer Kritiker ist verblüfft. Mit so viel positivem inneren Dialog, mit so viel Verständnis und Akzeptanz hatte er nicht gerechnet.

Er fällt in sich zusammen wie ein alter Ballon, dem noch die letzte Luft entweicht, und verzieht sich grimmig und kleinlaut murmelnd in seine Ecke am Tisch meines inneren Rates.

Ich triumphiere.

Nun ist mein Kopf frei, um lösungsorientiert mit dem umzugehen, was ich mir eben vorgenommen habe: Es morgen wieder zu versuchen. Mensch sein üben, das geht nicht jeden Tag gleich gut. Aber das „Morgen“ hält immer eine neue Chance bereit.

Also bereite ich mich vor.

Ich bitte meinen Freund, mein Instagram-Passwort zu ändern, da ich hier die größten Schwierigkeiten habe, mich selbst zu disziplinieren. Meinen Account noch zu behalten, doch keinen Zugriff mehr auf die Abermillionen fremder Profile zu haben, fühlt sich für den Moment schon mal sehr befreiend an.

Doch gegen YouTube, nehme ich mir vor, möchte ich mich selbst durchsetzen. Ich möchte mich immer wieder an einen Satz erinnern, den mein Bruder mir einst mit auf den Weg gegeben hat:

„Es gibt keine Langeweile.“

– Unsere Lebenswelten halten so viele Dinge für uns zu tun, zu sehen, zu erleben bereit. Ich möchte mich nicht mehr von dem ablenken, was ist. Ich möchte mich nicht mehr betäuben.

Ich möchte tun, was es zu tun gibt und mir meine Zeit so schön und proaktiv wie möglich gestalten.

Ich möchte wieder LEBEN!

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