Kolumne

Fröhliche „Konsumnachten“ und was ich daraus lernen durfte

Fröhliche Konsumnachten“ – unter diesem Motto standen all meine letzten Weihnachtsfeste. Traurig, aber wahr. Eigentlich bin ich ein Mensch, der möglichst bewusst nachhaltig lebt – soweit es mir eben in meiner jetzigen (auch finanziellen) Situation möglich ist. Ich trage Kleidung, bis sie auseinander fällt, spende, was ich nicht mehr träge (sofern es dann noch nicht auseinander fällt), kaufe selten neue Klamotten und wenn, dann entweder Second Hand oder von Unternehmen, die nachweislich Öko-Standards erfüllen. Auch Körperpflege-Produkte liebe ich vegan und nachhaltig und suche mir am liebsten selber aus, welche ich da verwende. Seit fast elf Jahren lebe ich (immerhin) vegetarisch. Um hier nur ein paar Beispiele zu nennen, was meinen Lebensstil betrifft.

Natürlich bin ich nicht perfekt, den Anspruch habe ich längst abgelegt. Auch ich kaufe nicht immer den teuersten Bio-Schnickschnack. Das könnte ich mir rein finanziell betrachtet schon gar nicht leisten. Ich möchte nur sagen, dass ich im Laufe der letzten, sagen wir, vier, fünf Jahre sehr viel gelernt und meinen Lebensstil Stück für Stück weiter umgestellt habe, um schon jetzt so zu leben, dass ich meiner Umwelt so wenig wie möglich Schaden zufüge. Ich bin auch längst nicht fertig mit dieser Entwicklung. Wann ist man mit seiner Entwicklung schon jemals fertig?

Also, ich tue mein bestes. Dazu gehört auch, dass ich meiner Familie seit Jahren zu erklären versuche, womit sie mir zu Weihnachten eine echte Freude machen können und was sie bitte, bitte! NICHT für mich kaufen sollen – wenn sie mir schon unbedingt etwas schenken müssen. Das gehört für sie einfach dazu und ich freue mich, dass sie mir eine Freude machen möchten. Ganz ehrlich.

Ich weiß, Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Dankbarkeit, der Freude und so weiter. Aber wieso ist es so schwer, etwas für mich auszusuchen, was ich wirklich gebrauchen kann und worüber die Freude dann nicht gespielt sein muss? Ich sage meiner Ansicht nach schon ziemlich genau, was ich gebrauchen kann und was ich mir wünsche.

Wenn dann meine Oma mit einem furchtbar billig wirkenden Pullover aus künstlichem Kuschelvlies mit einer albernen Katze darauf gedruckt ankommt – wie soll ich da noch ehrlich dankbar sein?! Nicht nur, dass ich seit Jahren erkläre, dass ich keine neuen Klamotten brauche und haben möchte. Dazu kommt, dass der Pulli auch noch drei Nummern zu groß ist (ja, Oma, ich habe zugenommen, aber NICHT auf Zirkuszelt-Größe) und wahrscheinlich nicht mal mein Fünfjähriges Alter Ego sich wirklich für diese alberne Katze hätte begeistern können.

Letztes Jahr war meine Mutter so lieb (und das hat sie sicherlich ein wenig Überwindung gekostet, danke an dieser Stelle!) mich vorzuwarnen und mir zu sagen, was Oma da für mich besorgt hatte. Das brachte mich nun in die Bredouille, dass ich mich schon den halben Tag vorher mit dem Gedanken anfreunden musste, Oma abends bei der Bescherung enttäuschen zu müssen, weil ich ihr Geschenk ablehnen würde.

Ich war wütend. Auf Mama, weil sie mich in diese Zwickmühle gebracht hatte. Und, weil sie Oma nicht von diesem Kauf hatte abbringen können. Aber wie hätte sie auch?! Wahrscheinlich hatte Oma den Pullover spontan ausgewählt, ohne vorher Rücksprache zu halten. Auf Oma war ich auch wütend. Warum konnte sie sich nicht endlich angewöhnen, mich nach meinen Wünschen zu fragen? Und dann explizit nur das besorgen, was ich mir ausdrücklich wünschte? Und nicht zuletzt (im Nachhinein betrachtet, wahrscheinlich sogar am meisten) war ich wütend auf mich selbst. Warum schaffte ich es nicht, meine Wünsche so klar zu äußern, dass es da nicht immer wieder diese Missverständnisse gab?! Ich trug meine Wut für ein paar Stunden mit mir herum, telefonierte mit einem Freund und kotzte mich aus.

Dann entschloss ich, mir von meiner Wut und den in der Luft hängenden Erwartungen nicht den Abend vermiesen zu lassen. Ich kochte ein veganes Drei-Gänge-Menü als Weihnachtsschmaus und fuhr meine Laune herunter. Ich versuchte, in mich zu gehen, zu reflektieren und etwas aus der Situation mitzunehmen, die sicherlich für keinen von uns angenehm war.

Ich ignorierte, so gut es ging, die Tatsache, dass mein Vater es nicht schaffte, das von mir extra ausnahmsweise vegan gekochte Weihnachtsessen auch vegan zu belassen, sondern stur darauf beharrte, Parmesan auf seine Nudeln streuen zu müssen (der ja nicht nur nicht vegan, sondern auch noch nicht vegetarisch ist).

Und ich weiß nicht mehr, wie, aber irgendwie schaffte ich es, den Weihnachtsabend weitestgehend friedlich hinter mich zu bringen. Irgendwelche Zickereien gibt es bei uns immer, aber ich versuchte, mich auf ein Minimum zu reduzieren und nicht allen die Stimmung zu versauen.

Dieses Jahr antwortete ich auf Mamas Frage, was ich mir wünschte: nichts. Und das stimmte. Ich habe mich inzwischen so weit entwickelt, dass mir zu Weihnachten keine Wünsche mehr einfallen. Einen großen Wunsch habe ich, auf den ich gerade hinarbeite. Dafür habe ich mir dann finanzielle Unterstützung gewünscht. Und die werde ich wohl auch bekommen. Aber irgendwelche nützlichen Dinge, die ich wirklich brauchen kann, sind mir erstmal nicht eingefallen. Tatsächlich kam Mama dann nochmal auf mich zu, ob mir nicht doch irgendetwas einfiele, was sie unter den Baum legen könnten. Einfach ein Kuvert zu überreichen, da kämen sie sich doof vor.

Und das kann ich absolut verstehen. Das würde mir wohl ähnlich ergehen, auch wenn die formschöne und kreative Verpackung eines Geldgeschenkes wohl eine willkommene Herausforderung für mich dargestellt hätte. Nun, ich ging erneut in mich und ließ mir dann doch noch drei Dinge einfallen, die, WENN es schon unbedingt Dinge sein mussten, die unter dem Weihnachtsbaum einen Platz finden konnten, einen sinnvollen und nachhaltigen Nutzen für mich haben würden und die mir sehr gut gefielen.

So habe ich dieses Jahr einen riesigen weiteren Schritt in meiner Entwicklung beobachten können: Ich habe tatsächlich nur diese eine Sache, die ich mir wirklich wünsche und auf die ich aber so gut es geht alleine hinarbeiten möchte. Weiter habe ich keine wirklichen Wünsche. Das sind dann eher so nice-to-haves, die nicht unbedingt sein müssten. Aber dadurch, dass ich diese nun mehr als durchdacht hatte und sehr explizit äußerte, habe ich meiner Familie das Thema Geschenke für dieses Jahr hoffentlich sehr vereinfacht und sorge vielleicht dafür, dass wir endlich mal einen wirklich entspannten, dankbaren und liebevollen gemeinsamen Weihnachtsabend haben werden. So ganz ohne Stress und Zickerei, ohne enttäuschte Erwartungen – beiderseits. Das wäre für mich das allerschönste Weihnachtsgeschenk!

28 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.