Mein Leben als Schatten
Kolumne

Kolumne: Mein Leben als Schatten #1

Ich stehe unter der Dusche. Das heiße Wasser rieselt auf meinen Kopf hinab. Es fühlt sich gut an. So warm. So umarmend. Als könne jetzt in diesem Moment nichts passieren. Wohlig warm. Beschützend. Aber doch nur kurzzeitig.

Ich steige aus der Dusche hinaus. Zum Glück ist der Spiegel beschlagen. Ich möchte da nicht hineinsehen. Ich trockne mich schnell ab und ziehe mir meinem weichen und flauschigen Bademantel über. Bedeckt. Ich gehe hinaus und setze mich aufs Bett. Es ist dunkel draußen. Und kalt. Ich fühle mich ein wenig besser. Das Wetter draußen spiegelt meine Gemütslage wieder. Ich habe das Gefühl, es passt. Es ist dunkel draußen, nun darf ich mich so fühlen. Es klagen gerade genug Menschen über „Winterdepression“, weil es draußen so früh dunkel ist und kalt. Sie kommen ja alle nicht gut aus dem Bett morgens und fühlen sich schlapp und müde. Ja. Nun ist es nichts besonderes mehr. Nichts unnormales.

Ach, ich verstehe so gut, dass du keine Lust hast mitzukommen. Ich mag ja auch nicht mehr im Dunkeln raus eigentlich.“ Solche Sätze höre ich nur im Winter. Wenn es draußen kalt und dunkel ist. Im Sommer, bei wärmeren Temperaturen erfinde ich oft eine Erkältung. Oder Familienbesuch, obwohl ich mich eigentlich nur zuhause im Bett einigle, während alle anderen im Park liegen, ins Schwimmbad gehen oder das schöne Wetter genießen.

Aber jetzt, im dunklen, kalten Winter, da geht es allen genauso.

Genauso? Nein. Aber das kann ich ja zumindest suggerieren.


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