Kolumne

Kolumne: New year, new me?!

Über die Illusion von Neujahrsvorsätzen und was wirklich hilft, eigene Ziele zu erreichen

Der Januar ist schon wieder fast vorbei. Die Zeit verfliegt rasend, irgendwie komme ich da momentan nicht hinterher. Vier Wochen des neuen Jahres – einfach davongelaufen. Zum Glück habe ich mir keine Neujahrsvorsätze genommen. Diese hätte ich bestimmt eh nicht bis heute durchgehalten. Und wäre von meiner eigenen Leistung mehr als enttäuscht gewesen.

Woher kommt aber dieser Druck? Dieser Druck, den ich sogar verspüre, obwohl ich mir keine utopischen Ziele gesetzt habe, weil das Datum vom 31. Dezember auf den 1. Januar gewechselt hat?

Ich denke, ich bin nicht die einzige, der es so geht. Ich denke, da draußen gibt es eine Menge Leute, die zum Anfang des neuen Jahres ebenfalls diesen inneren Druck verspüren. Wahrscheinlich wirken die Medien, die Werbung, Instagram-Posts und so weiter auch an dieser Stelle unterbewusst auf uns ein.

„Für die guten Vorsätze“, ist da zu lesen. „New year, new me“, brüllt es von der Glaswand einer Bushaltestelle, darunter ein muskulöses, schwitzendes Fitnessmodel. „No pressure, aber du hast über Weihnachten ordentlich zugelegt“, soll das wohl suggerieren.

„Und, was habt ihr euch dieses Jahr so vorgenommen?“ – „Wie läuft die Diät?“… So oder so ähnlich könnten Gespräche zur Zeit laufen.

„New year, new me“ hängt nicht nur an vielen Bushaltestellen, sondern auch in den Köpfen vieler Menschen fest. Man erwartet zum Ende des vergangenen Jahres, zur „besinnlichen“ Weihnachtszeit, ja nicht mehr so viel von sich – da darf ruhig mal so richtig geschlemmt werden. Dafür schraubt man die Erwartungen zum Beginn des neuen Jahres dann umso höher?!

Ergibt für mich, ehrlich gesagt, schlicht keinen Sinn. Und Werbung für Fitnessstudios lässt mich seit ein paar Jahren ebenfalls kalt.

Warum?

Ich denke, wenn ich mein Leben ändern möchte, oder auch nur einen einzigen Aspekt davon, dann schaffe ich das ganz allein. Ohne Fitnessstudios und die dazugehörige, zurzeit allgegenwärtige Werbung. Ohne einen Countdown, der das Ende eines Jahres verkündet und den Beginn eines „neuen Lebens“, wie es sich durch diesen Neujahrs-Hype gerne mal anfühlt. Aber hey: no pressure…

Für mich hat sich gezeigt, dass, wenn ich wirklich will – wenn ich determiniert bin – jeder Tag, jede Minute und sogar jeder Augenblick ein kleines Silvester sein kann.

Ein paar Tipps, wie wir unsere Ziele erreichen können:

1) Mitstreiter suchen! Sich gegenseitig zu motivieren, ist leichter, als es allein „durchstehen“ zu wollen.

2) Informieren – um etwas zu erreichen, muss ich wissen, was ich tue und warum ich es tun möchte.

3) Realistisch bleiben. „Ich esse ab jetzt nur noch 800 Kalorien am Tag und laufe für den Rest meines Lebens jeden Tag zehn Kilometer“ ist kein realistisches Ziel. Kleine Neben-Level helfen Schritt für Schritt beim Bezwingen des Endgegners.

4) Fehler verzeihen, sie sind Teil des Prozesses – dran bleiben (progress – not perfection!). Jeder Tag steht für sich, ich kann jeden Tag neu anfangen.

5) Geduld mit mir selbst haben. Nachsicht üben (nein, da steht nicht Nachtisch ;-)) und auf meine Bedürfnisse hören lernen.

6) Ziele nicht zu ernst nehmen, Dogmatik vermeiden. Es soll Spaß machen, mein Leben in eine positive Richtung zu lenken, Zwang ist nie spaßig!

7) Zeit nehmen. Veränderung ist ein Prozess, es dauert lange, eine neue Gewohnheit zu etablieren. Und manchmal muss ich meine Ideen auch ein wenig nachjustieren, damit sie in mein Leben gut hinein passen.

8) Erfolge feiern! Jedes noch so kleine erreichte Ziel hat Anerkennung verdient. Vor allem meine eigene.

Hierzu ein Beispiel:

Ich habe mir gegen Ende November gemeinsam mit meinem Freund vorgenommen, mal bis Weihnachten auszuprobieren, komplett zuckerfrei zu leben. Wir wollten einfach mal schauen, was sich dadurch für uns verändert, ob überhaupt. Wir haben uns vorher ein bisschen informiert, welche Auswirkungen diese Ernährungsumstellung mit sich bringen kann, und wollten nun erforschen, welche davon bei uns eintreffen würden. Angetrieben von Neugier ließen wir uns auf dieses kleine Abenteuer ein. Für uns war das ein Spiel, kein Zwang oder harter Verzicht.

Wir verbrachten zunächst einmal etwa zwei Stunden im Supermarkt und lasen uns die Zutatenlisten all der Dinge durch, die wir sonst gerne gekauft hatten. Daraufhin entschlossen wir uns, ab sofort selbst Brot zu backen und auch Brotaufstriche selber herzustellen. Wir entdeckten, wie vielfältig unsere Möglichkeiten waren und hatten großen Spaß beim Ausprobieren immer neue Rezepte.

Eine Woche nach unserem spontanen Entschluss hatte unser Mitbewohner Geburtstag. Dies stellte plötzlich eine kleine Herausforderung dar, denn es gab Torte! Wir entschieden uns kurzerhand, an diesem Tag einfach eine Ausnahme zu machen, schließlich hatten wir uns bereits eine Woche lang sehr gut geschlagen. Das Gebäck war zwar lecker, aber wir stellten beide fest, dass unser Körper diese Zuckerbombe nun nicht wirklich gut fand. So fiel es uns leicht, ab dem darauffolgenden Tag direkt wieder das zuckerfreie Leben zu genießen. Die positiven Auswirkungen wogen das eine Stück Torte um ein Vielfaches auf.

Seither ernähren wir uns nach wie vor zuckerfrei und gönnen uns sehr selten mal eine kleine Ausnahme. So funktioniert das für uns fantastisch, und das alles ohne, dass wir unseren inneren Schweinehund auf einen Zeitpunkt in der Zukunft programmiert haben, den wir dann eh nicht ein- oder durchhalten würden.

Wenn ich etwas wirklich ändern möchte (und zwar für mich, nicht für den Partner, die Eltern oder irgendein Werbeplakat), kann ich damit sofort beginnen. Dann sollte ich es nicht verschieben. Nicht auf morgen, nicht auf nächste Woche und schon gar nicht auf nächstes Jahr.

Was zählt, ist das Jetzt!

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